27. Oktober 2020

Herstellung von Flexodruckplatten in Krisenzeiten

Uwe Stebani, General Manager des Xeikon-Gesch√§ftsbereichs Prepress (Thermoflexx), widmet sich in einem Kommentar den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Verpackungsindustrie, speziell auf den Flexodruck. Wir haben diesen Beitrag √ľbersetzt und geben ihn hier im Wortlaut wieder:

„Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr; was sind die Auswirkungen der Schockwellen, die die Corona-Krise auf den Verpackungsmarkt sendet?

Nat√ľrlich gab es bereits vor Ausbruch der Coronavirus-Epidemie Studien, die sich mit einer weltweiten Pandemie befassten, die durch ein neues Bakterium oder Virus verursacht wurde, einige sogar mit fast prophetischen Ergebnissen. Daher kann die Pandemie nicht als ’schwarzer Schwan‘ bezeichnet werden, als ein v√∂llig unvorhersehbares Ereignis, das bisher √ľber die menschliche Erfahrung und als solche auch √ľber die Vorstellungskraft hinausging. Und doch sind wir alle √ľberrascht von den Auswirkungen der Krise, die uns pers√∂nlich betrifft. Zus√§tzlich zu den direkten Eingriffen in den Alltag ist es zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Artikels jedoch noch nicht m√∂glich vorherzusagen, wie lange und wie tief die Einschnitte sein werden, denen das Wirtschaftsleben nach der Pandemie ausgesetzt sein wird.

Die aktuellen kurzfristigen Auswirkungen der Corona-Krise zeichnen in der Verpackungsindustrie ein ganz anderes Bild. Aufgrund einer pl√∂tzlichen √Ąnderung des Kaufverhaltens erleben bestimmte Konsumg√ľter einen kurzfristigen Verkaufsboom. Dar√ľber hinaus wird mehr Wert auf die Schutzeigenschaften von Verpackungen gelegt. Neben der Vermeidung der Ausbreitung von Infektionen besteht die Hauptpriorit√§t darin, die Haltbarkeit, insbesondere von Lebensmitteln, zu verl√§ngern. Bereits ernsthaft in Frage gestellte Gesch√§ftsmodelle wie die Lieferung von Tiefk√ľhlkost oder die langsame Entwicklung von Lieferservices f√ľr Online-Lebensmittelbestellungen verzeichnen einen Wachstums- und Umsatzschub. Infolgedessen erleben Verbrauchsmaterialien f√ľr den Verpackungsdruck einen besonderen Boom. Die Hersteller von Flexodruckplatten und Tinten verzeichnen einen Umsatzanstieg. Die Herstellung von Tinten auf L√∂sungsmittelbasis wird jedoch durch Versorgungsengp√§sse mit L√∂sungsmitteln wie Ethanol gest√∂rt, die insbesondere f√ľr Desinfektionsmittel ben√∂tigt werden.

Dies steht im Gegensatz zu einem Abw√§rtstrend bei Investitionsg√ľtern. Hersteller von Druckmaschinen, sei es f√ľr den Flexodruck oder den Digitaldruck, verlieren Auftr√§ge, von denen sie glaubten, dass sie sicher geschlossen werden. Diese werden entweder ohne Neuplanung verschoben oder komplett storniert, da der Cashflow in der Krise extrem wichtig wird. Solvenz, insbesondere gegen√ľber Mitarbeitern, wird zu Recht einer Investition vorgezogen, deren Risiko und Nachhaltigkeit im aktuellen Umfeld noch schwieriger zu bewerten sind als in normalen Zeiten. Infolgedessen haben eine Reihe von Herstellern Kurzarbeit eingef√ľhrt und bremsen die Kosten.

Aber welche grundlegenden Lehren können aus der Krise gezogen werden und wie helfen diese Lehren, das Geschäft wieder aufzunehmen oder es in Zukunft strategisch neu zu positionieren?

Eine Lektion, die wir gelernt haben, ist, dass etablierte Lieferketten in Frage gestellt werden m√ľssen, insbesondere die geografische Verwundbarkeit dieser Ketten. F√ľr die Lieferung von Verbrauchsmaterialien ist es beispielsweise eine Herausforderung, wenn Pigmente f√ľr Verpackungsdruckfarben in China, Bindemittel in den USA und Druckfarben in Frankreich f√ľr einen Kunden in Deutschland hergestellt werden. Neben den zeitverz√∂gerten Ausfallszenarien der Rohstoffhersteller aufgrund der verz√∂gerten regionalen Ausbreitung der Pandemie ergeben sich pl√∂tzlich logistische Herausforderungen, die durch Reduzierungen der globalen Frachtkapazit√§ten sowie regionale und lokale Bewegungsbeschr√§nkungen aufgrund von Grenzkontrollen und Ausgangssperren verursacht werden. Dies wird sicherlich zu einer Neubewertung der Sicherheitsreserven f√ľhren.

Eine zweite Lektion ist die Verwendung von Home Office- und digitalen Kommunikationswerkzeugen. Insbesondere die Druckvorstufe ist an den Umgang mit digitalen Tools und Datenbanken gew√∂hnt. Bisher fand die Arbeit jedoch fast ausschlie√ülich in gemeinsamen B√ľros statt, da pers√∂nlicher Kontakt, Austausch und Koordination als wesentlich angesehen wurden. Die Notwendigkeit, vom Home Office aus zu arbeiten, hat jedoch vielerorts gezeigt, dass es dank der Motivation der Mitarbeiter und der vorhandenen Softwaretools in dieser Situation h√§ufig sehr gut funktioniert.

Die dritte Lektion kann jedoch noch kommen. Mit den im Home Office erstellten Daten- und Verpackungsdesigns, die per Videokonferenz mit den Managern der in ihren Home Offices t√§tigen Markeninhaber koordiniert wurden, m√ľssen Platten hergestellt werden, die dann an die Verpackungsdrucker geliefert werden. Dies funktioniert im Moment noch recht gut, aber was ist, wenn ein Verarbeitungsger√§t ausf√§llt? Neben der kritischen Lieferung von Ersatzteilen kann es auch zu Problemen mit Servicetechnikern kommen, insbesondere wenn die Reisebeschr√§nkungen f√ľr einige Zeit eingehalten werden. Pl√∂tzlich wird deutlich, dass die Automatisierung und insbesondere die Digitalisierung im Bereich der Flexodruckplattenverarbeitung nur rudiment√§r ist.

Schauen wir uns also an, ob der Digitaldruck L√∂sungen f√ľr diese Lektionen bietet. In einigen F√§llen wird die aktuelle Krise als Ausl√∂ser f√ľr eine weitere Automatisierung bei der Herstellung von Druckprodukten angesehen. Es scheint also so zu sein, dass der Digitaldruck mit seinem ‚Direct-to-Print‘ -Versprechen der Gewinner im Wettbewerb zwischen den verschiedenen Drucktechnologien sein wird. Bedeutet dies, dass der Digitaldruck die Koronakrise nahezu unbesch√§digt √ľberstehen wird? Und deshalb wird der Digitaldruck nach der Krise seinen Siegeszug in den Verpackungsdruck beginnen?

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Einnahmen der Anbieter von Digitaldruckern nach Anwendung
Quelle: IT-Strategies/Xeikon

Betrachten wir zunächst den Digitaldruck in der Krise. In einer aktuellen Studie schätzt IT Strategies die Auswirkungen der Krise auf die verschiedenen Anwendungen und Absatzmärkte des Digitaldrucks. Der Verkauf von Anbietern von Digitaldruckern (Druckmaschinen und Verbrauchsmaterialien wie Toner und Tintenstrahldruckfarben) in den spezifischen Anwendungen wird untersucht.

Die Tabelle zeigt deutlich, dass Digitaldruckanbieter auch 2020 mit einem deutlichen Umsatzr√ľckgang rechnen m√ľssen. Der Print-on-Demand-Buchdruck zusammen mit dem Druck von Schulb√ľchern sowie der klassische Transaktionsdruck (Rechnungen etc.) gelten als etwas krisenstabil, w√§hrend andere Anwendungen Verluste erleiden. Dies ist nicht √ľberraschend, da die Koronakrise keine Krise in einem Marktsegment aufgrund des technologischen Wandels oder sogar disruptiver Innovationen ist, sondern eine Verkaufskrise, die durch eine Wirtschaft verursacht wird, die aus bekannten Gr√ľnden vollst√§ndig geschlossen ist, sei es im Industriesektor oder im Dienstleistungssektor.

Ein weiterer Blick auf die Tabelle zeigt die Erwartung eines kleineren Einbruchs im Verpackungssektor (gr√ľn hervorgehoben). Auff√§llig ist der starke R√ľckgang des digitalen Wellpappendrucks nach IT-Strategien, der haupts√§chlich auf die erwartete geringe Investitionst√§tigkeit im vergleichsweise sehr kapitalintensiven Maschinenherstellergesch√§ft im Jahr 2020 zur√ľckzuf√ľhren ist. Der Digitaldruck kann sich daher dem allgemeinen Trend nicht entziehen. Dies l√§sst die spannende Frage offen, was nach dem Ende der Corona-Krise passieren wird. Bietet der Digitaldruck L√∂sungen, die anderen Technologien vorgezogen werden, wenn sich die Investitionst√§tigkeit rentiert?

Die aktuelle Krise wird die Druckindustrie pr√§gen, manchmal nicht wie erwartet. Ger√ľchte auf dem Markt besagen, dass Lieferanten von Tissue-Produkten beschlossen haben, nicht auf Toilettenpapier zu drucken, um dem aktuellen Lauf dieser Produkte zu entsprechen. Wer wei√ü, ob diese zus√§tzliche Versch√∂nerungsstufe in Zukunft ihre alte Relevanz wiedererlangen wird. Einige Kommentatoren erwarten, dass der Digitaldruck aufgrund k√ľrzerer Lieferketten und damit schnellerer Verf√ľgbarkeit von Druckprodukten zu einem Krisensieger wird. Die Lagerbest√§nde k√∂nnten daher auf einem niedrigeren Niveau gehalten werden, um die Probleme des Betriebskapitals im Falle eines Umsatzr√ľckgangs zu minimieren. Umgekehrt k√∂nnte das Inventar bei Wiederaufnahme des Verkaufs schneller wieder aufgef√ľllt werden. Dies sind jedoch keine neuen Vorteile des Digitaldrucks, und dieses Gesch√§ftsmodell ist bisher aufgrund der deutlich h√∂heren Kosten f√ľr digital gedruckte Verpackungen gescheitert.

Der Digitaldruck basiert auf propriet√§ren Technologien im Tonersektor (fl√ľssiger Toner und trockener Toner) und auf einem Systemansatz f√ľr Druckkopf / Tinte im Tintenstrahlsektor (mit den bekannten Schwierigkeiten f√ľr Dritte, dazwischen zu kommen). Sehr hohe Qualit√§tsniveaus f√ľr Druckk√∂pfe, Treiberelektronik und Verbrauchsmaterialien verursachen zus√§tzliche Kosten f√ľr das System, sodass digital gedruckte Produkte auf absehbare Zeit teurer als herk√∂mmlich gedruckte Produkte mit h√∂heren Auflagen sind. Der Verkauf der Vorteile des Digitaldrucks an Unternehmen, die im FMCG-Sektor t√§tig sind, endet h√§ufig bei den Marketingabteilungen, da diese leicht h√∂here Preise akzeptieren, um schnelle Design√§nderungen und k√ľrzere Auflagen zu erzielen, z. zum Auftakt von Marketingkampagnen und regionalen Testl√§ufen von Produkteinf√ľhrungen. Im Gegenzug legen die Druckeink√§ufer f√ľr die gro√üvolumigen Anwendungen die Preise fest, da die Verpackung den spezifischen Anforderungen der verpackten Waren entsprechen muss und ansonsten einfach die Kosten erh√∂ht. Es k√∂nnte jedoch sein, dass der Versorgungssicherheit in Zukunft eine h√∂here Priorit√§t einger√§umt wird. Im Digitaldruck ist es aufgrund der systembedingt h√∂heren Digitalisierung und Automatisierung im Vergleich zum herk√∂mmlichen Verpackungsdruck h√∂her.“

Uwe Stebani ist General Manager von Xeikon Prepress. Quelle: Xeikon

Den zweiteiligen Originaltext einschließlich der Quellenangaben finden sie hier und hier.

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