25. Oktober 2020

Ich brauch´ Kartons!

Der Lübbecker Kartonagen-Hersteller PackConcept hat im Juli 2020 die erste Rotationsstanze RD 115S von Kolbus im Rahmen einer Feldtest-Vereinbarung installiert. Mit der Investition will das 2012 gegründete und schnell wachsende Unternehmen die steigende Nachfrage nach bedruckten Stanzverpackungen aus Wellpappe bedienen.

Erfolgreiche Unternehmensgründungen erfolgen meist durch „Berufene“, also Menschen, die sich durch Bildung und Ausbildung in eine Branche hineinentwickelt haben und eine Leidenschaft für ihre Tätigkeit mitbringen. Manchmal kann die Leidenschaft aber auch das Unternehmertum selbst sein, und das gilt ganz sicher für Henning Spilker: Nach zwölf Jahren als Unternehmensberater beschloss der Diplom-Wirtschaftsingenieur, selbst eine Firma aufzubauen und entschied sich nach Analyse der Wachstumsmöglichkeiten für den Bereich der Um- und Versandverpackungen aus Wellpappe. Am 1. Januar 2012 startete er mit PackConcept auf 750 Quadratmetern und gebrauchten Maschinen in einem Industriegebiet in Lübbecke. „Kartonagen haben Zukunft“, erkannte der heute 53-jährige Firmeninhaber, und er sollte Recht behalten. Nur Wochen später musste er weitere 500 Quadratmeter anmieten, und 15 Monate später erfolgte der Umzug auf eine 1700 Quadratmeter große Fläche mit entsprechender Erweiterung des Maschinenparks. Zu dem einfachen Boxmaker und dem Inline-Casemaker kam eine Rotationsstanze mit 1,7 Meter Arbeitsbreite und ein weiterer Boxmaker mit 2,4 Meter Arbeitsbreite, außerdem eine Rill- und Schneidemaschine. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Jahr 2019 verdoppelte PackConcept seinen Umsatz, und ein erneuter Umzug folgte: Im Mai 2020 wurde in Lübbecke ein Neubau mit 2500 Quadratmetern bezogen. Hier will Henning Spilker mit seinen inzwischen 14 Mitarbeitern in diesem Jahr einen Umsatz von 1,7 Mio. Euro erzielen. Dabei werden 30 Prozent der Erlöse über den Webshop www.ichbrauchkartons.de erzielt, während 70 Prozent aus Aufträgen für Industrie und Gewerbe der unterschiedlichsten Branchen stammen – Handel, Möbelindustrie, Druck und Medien, aber auch Metall-, Glas- und Kunststoffverarbeitung.

Henning Spilker mit einer Stanzform. Auf der Kolbus RD 115S werden damit Zuschnitte für Verpackungskartons hergestellt. Foto: Andreas Tietz

Erweiterung des Stanz-Geschäfts

Bisher machten gestanzte Verpackungen, wie man sie etwa bei Umverpackungen findet, nur etwa ein Viertel des gesamten Auftragsvolumens aus, während klassische Faltkartons nach FEFCO-Norm 0201/0202 den Löwenanteil der Fertigung bilden. Henning Spilker möchte jedoch den Anteil der gestanzten Verpackungen aufgrund der höheren Wertschöpfung und steigender Nachfrage erhöhen: „Wir werden unsere Vertriebsaktivitäten hier stark bündeln. Ziel ist es, ein deutlich erweitertes Kundenspektrum und Großabnehmer in der Industrie zu erreichen.“

Um von Anfang an die erforderliche Kapazität bieten zu können, hat Henning Spilker in eine neue Rotationsstanze des Typs RD 115S von Kolbus investiert. Es ist die erste derartige Maschine auf dem europäischen Markt überhaupt, obgleich das Maschinenkonzept selbst seit langem bewährt ist. 2011 hatte Kolbus den US-amerikanischen Hersteller Hycorr übernommen, der jahrzehntelang Rotationsstanzen für Wellpappe ausschließlich für die Märkte in Nord-, Mittel- und Südamerika produziert hat. Unter dem Dach von Kolbus wurden die Maschinen gründlich überarbeitet und modernisiert. Dazu gehörte neben der Einführung des global verwendeten metrischen Systems auch die Umstellung auf dezentrale Servoantriebstechnik für alle produktionsrelevanten Achsen sowie eine hochmoderne elektronische Maschinensteuerung mit hohem Automatisierungsgrad. Viele weitere Detailoptimierungen führen zu einer Verbesserung der Bedienerfreundlichkeit. Und natürlich entsprechen die Maschinen nun allen internationalen Sicherheitsstandards, wie beispielsweise auch der CE-Norm.

Die fertig aufgestellte RD115S bei PackConcept. Das erste in Produktion befindliche Exemplar dieser Maschine verfügt über drei Flexodruckwerke zur äußerlichen Dekoration der Wellpappzuschnitte. Foto: Andreas Tietz

Die RD 115S verfügt über eine Durchlassbreite von 2921 mm. Damit sind auch bis zu vier Nutzen pro Wellpappbogen möglich, was die Maschine zusammen mit ihrer Verarbeitungsgeschwindigkeit von bis zu 12.000 Bögen pro Stunde auch für großvolumige Aufträge von 100.000 Stück und mehr zu einer attraktiven Lösung macht. Dabei liegt die Kernkompetenz der RD 115S nicht nur beim Stanzen sondern auch auf dem Druckprozess: Auf bis zu acht Flexodruckwerke lässt sie sich modular erweitern, wobei auch optional Druckwerke von oben für beidseitigen Druck einsetzbar sind. Die Pilotmaschine bei PackConcept verfügt zunächst über drei Flexodruckwerke, mit denen flächige Motive auf die Kartonaußenseite gedruckt werden.

Hohe Ingenieurskunst

Henning Spilker hat neben der Leistung auch die hohe Qualität der RD 115S überzeugt: „Die präzise Führung und der schlupffreie Transport der Bögen in der Maschine sorgt für eine sehr gute Registerhaltigkeit vom Druck bis zur Stanzung und damit im Ergebnis zu sehr hochwertigen Produkten“, sagt der Geschäftsführer. „Das Niveau der Verarbeitung, die Qualität der verwendeten Komponenten sowie das Know-how der Kolbus-Fachleute repräsentieren beste Ingenieurskunst made in Germany!“ Eine Beurteilung, die Wilfried Kröger, Geschäftsführer von Kolbus, sehr erfreut: „Wir haben hier bei PackConcept die einmalige Gelegenheit, unsere neue Rotationsstanze unter regulären Produktionsbedingungen zu testen und zu optimieren. Zudem können wir die Installation für Kundenvorführungen nutzen.“

Türöffner für diese „Win-Win“-Situation war die Installation einer Kolbus Autobox AB zur Produktion von nicht gestanzten Faltkartons im Rahmen des jüngsten Umzugs in den Neubau. Erste Kontakte zwischen beiden Unternehmen gab es bereits 2018. Kolbus suchte zu dieser Zeit Partner, um sein neues Maschinenportfolio für die Wellpappverarbeitung im Markt zu etablieren. Henning Spilker erkannte das Potential einer Kooperation mit dem traditionsreichen Maschinenbauunternehmen aus Rahden: „Kolbus ist ein wertvoller, starker Partner mit großer Expertise.“ Das habe sich schon bei der Installation der Autobox AB gezeigt: „Die Unterstützung war beispiellos. Kleinere Probleme wurden sofort vor Ort oder mittels Fernwartung gelöst“, so Spilker. Die Autobox AB ist nun der dritte Boxmaker bei PackConcept. Die Maschine hat mit einer Arbeitsbreite von 2,60 Meter, sowie einer Ausstattung mit Autofeeder, Mulitcut und Flexodruckwerk die Fertigungsmöglichkeiten erheblich erweitert. Henning Spilker: „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir in Zukunft wieder bei der Pilotierung neuer Kolbus-Maschinen eingebunden werden. Ich warte mit Spannung darauf, in welche Richtung die Entwicklung geht. Vielleicht wird es sogar ein vollautomatisierter „Inliner“ sein…?“

Mit dieser Autobox AB begann im Frühjahr 2020 die Kooperation zwischen Kolbus und PackConcept. Foto: Andreas Tietz

Andreas Tietz

Andreas Tietz ist Diplom-Journalist mit Spezialisierung auf technisch-wissenschaftliche Themen. Nach mehreren Jahren in der IT-Branche berichtet er seit 2006 in verschiedenen Fachmedien über Neuigkeiten aus der Druck- und Papierindustrie sowie der Verpackungsindustrie.

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