27. Oktober 2020

Die Trends in der Metallverpackungsindustrie

Auf der METPACK Conference im Rahmen der diesjĂ€hrigen Metpack diskutieren am 6. Mai Experten ĂŒber Erkenntnisse zur Zukunft der Metallverpackung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Acht Referenten geben Einblick in ihr Arbeitsfeld und informieren zu aktuellen Themen. Im Fokus stehen, so meldet die Messe, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und neue Verfahren.

Dr. Daniel Abramowicz, CTO des US-Konzerns Crown Holdings, blickt in seiner Eröffnungsrede auf die Wachstumstreiber des GetrĂ€nkedosenmarkts und analysiert die Produktperformance anhand von Aspekten wie Nachhaltigkeit und Innovationscharakter. Abramowicz beschĂ€ftigt sich insbesondere mit dem Fortschritt durch optimierten Materialeinsatz. Moderne Technik sorgt dafĂŒr, dass Dosen heutzutage die Produktionsstraßen in vielfĂ€ltiger Form und GrĂ¶ĂŸe verlassen. Abramowicz kennt die Zahlen und stellt sie in Zusammenhang: Ansprechende SondergrĂ¶ĂŸen in Kombination mit neuen Druck-Anlagen, die die ansprechende Gestaltung des Mantels ĂŒbernehmen – das steigert den Umsatz. Außerdem beschĂ€ftigt sich der Experte mit dem Imagegewinn des Materials durch Recycling und setzt dies in Verbindung mit dem Imageverlust des Verpackungskonkurrenten Plastik.

Pascal Amelot, Commercial Director Packaging des Unternehmens ArcelorMittal Europe, berichtet in seinem Vortrag ĂŒber Potentiale fĂŒr die weitere Optimierung von Stahlverpackungen. Dosen sind heute deutlich leichter und damit nachhaltiger als noch vor einigen Jahrzehnten. Durch eine Erhöhung der HĂ€rte kann mittlerweile Verpackungsstahl mit 700 MPa Zugfestigkeit zur VerfĂŒgung gestellt werden. Die industrielle EinfĂŒhrung dieser modernen Materialkomponente erfordert einiges an NachrĂŒstung. Welcher Schritt folgt als nĂ€chstes? Amelot beschreibt die Herausforderung, aber auch die Chancen, die hinter Stahl als Verpackungsmaterial stehen.

Blechdruck fĂŒr mehr Produktvielfalt

Das Unternehmen von Ralf Gumbel, CEO von Koenig & Bauer Metal Print, blickt auf eine mehr als hundertjĂ€hrige Erfahrung im Blechdruck zurĂŒck. Gumbel gibt einen Einblick hinter die Kulissen: Er erklĂ€rt die Funktionsweise von kompletten Decorating-Systemen fĂŒr den zweiteiligen als auch fĂŒr den dreiteiligen Dosenmarkt. Gumbel stellt zum Beispiel die Druckmaschine CS MetalCan vor, die eine Antwort auf die Anforderungen des Marktes nach hĂ€ufigen Dekorwechseln und mehr Produktvielfalt ist. Ausgestattet mit zehn Farbwerken und einer Vielzahl von Sonderbaugruppen wie Plattenwechsel und Gummituchwechselautomaten setzt die Maschine neue MaßstĂ€be im GetrĂ€nkedosendruck.

Ebenfalls als Referent fĂŒr die METPACK Conference angemeldet ist Neil Finley, Head of Global Food Safety, Product Safety & Regulatory Affairs von Henkel UK Operations. Aktuell arbeiten Lack- und Rohstoffhersteller an alternativen Beschichtungen ohne BPA als Ausgangssubstanz (BPA-non-intent-(BPA-NI)-Beschichtungen). Der Fokus des Vortrags richtet sich auf die Risikobewertung von BPA-NI-Beschichtungen fĂŒr Metallverpackungen mit Lebensmittelkontakt. Durch die Befolgung international anerkannter Prinzipien und Richtlinien ist es möglich, die Sicherheit von NIAS (Non-Intentionally Added Substances) in neuen Beschichtungstechnologien nachzuweisen. Die Anwendung eines strengen Risikobewertungsansatzes schafft Vertrauen in die Sicherheit und Nachhaltigkeit neuer Beschichtungstechnologien. Finley diskutiert ĂŒber die Herausforderungen bei der Risikobewertung, neue AnsĂ€tze zum Nachweis der Sicherheit und eine verbesserte Kommunikation.

Francesco Amati ist General Manager des Global Players ASA mit Hauptsitz in San Marino. Er beschreibt den Fortschritt der Branche: von der neuesten Entwicklung des Offsetdrucks bis hin zu digitalen Technologien. Was ist das beste Druckverfahren? Amati geht davon aus, dass es dafĂŒr in komplexen Marktsituationen mit boomenden Technologien mehrere Antworten gibt. So hinterfragt der Experte, ob es möglich wĂ€re, die konventionellen Technologien mit den aufkommenden zu kombinieren. In seinem Vortrag geht es um die Integration verschiedener Verfahren, sodass die eigene Produktpalette erweitert werden kann.

Das Falzen ist eine FĂŒgetechnologie zum Verbinden von Blechteilen ohne eine von außen sichtbare Verbindungsstelle. Dipl.-Ing. Thomas Lieber, Mitarbeiter des deutschen Fraunhofer-Institut fĂŒr Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU), informiert in seinem Vortrag ĂŒber die Anwendung dieses Verfahrens in der Dosenproduktion. Bei der Herstellung von Lebensmitteldosen ist insbesondere die Verschließtechnik fĂŒr Dosenrumpf und Deckel eine Herausforderung, da das Material an dieser Stelle stark beansprucht wird. Lieber zeigt in seinem Vortrag praxisnahe Beispiele. Dazu gehört eine FE-Simulation von Falzprozessen fĂŒr Faltigkeitsanalysen. Außerdem erlĂ€utert Lieber neue Erkenntnisse zur Messung der Geometrie von Falzwerkzeugen.

Wie teuer darf Lackierung sein?

Dr. Dimitrios Tsimpoukis, Managing Director des Unternehmens Chrotex aus Griechenland, hat die Kosten fĂŒr eine Lackierung zum Thema gemacht und ĂŒberlegt, wie diese optimiert werden können. Vor diesem Hintergrund stellt er unterschiedliche Konzepte und ihre Anwendung vor. Welche Rolle spielt die QualitĂ€t der Dose? Welche Eigenschaften braucht eine gute Beschichtung? Um die Kosten zu kalkulieren, berĂŒcksichtigt der Fachmann ganz unterschiedliche Posten wie Material oder Energie und setzt sie in Wechselbeziehung. Tsimpoukis betrachtet den Herstellungsvorgang ganzheitlich: Er hebt das Zusammenspiel der Lackeigenschaften, die fĂŒr eine qualitativ hochwertige Dosenherstellung erforderlich sind, hervor, wandelt sie ab und erlĂ€utert die Folgen, die sich aus bestimmten Kompromissen ergeben könnten. Tsimpoukis geht in seinem Referat speziell auf die OpazitĂ€t weißer Lacke ein. Außerdem analysiert der Experte Lackfilme im Zusammenspiel mit den mechanischen Eigenschaften von Polymeren nach der Kubelka-Munk-Theorie, die die Lichtabsorptions- und Lichtstreuungseigenschaften von pigmentierten Systemen beschreibt.

In puncto Herstellung stellt Marcel Schoumacker, Director of Sales Europe, Middle East and Africa, eine neue Errungenschaft seines Unternehmens, der SLAC Group aus China vor. Metalldosen, insbesondere GetrĂ€nkedosen, werden ĂŒblicherweise aus zwei Teilen durch ein Verfahren hergestellt, bei dem der Boden und die Wand der Dose aus einem einzigen Zuschnitt eines Ausgangsmaterials geformt werden. Ein derartiges Verfahren ist als Abstrecktiefzieh-Verfahren (DWI-Verfahren) bekannt. Der Bodymaker bildet das HerzstĂŒck der DWI-Technologie. Mit dem „Boxer“ stellt Schoumacker nun eine Weiterentwicklung der Maschine vor, die eine höhere Effizienz verspricht. Der Boxer produziert zwei Dosen in einem einzigen Hub und hat die doppelte Leistung im Vergleich zu konventionellen Bodymakern. Das Unternehmen stellt die Innovation auf der METPACK aus.

Hinter modernen Verpackungen stecken eine Menge Forschung und hochspezialisierte Technologie: Das zeigen mehr als 300 Aussteller auf der METPACK, die vom 5. bis 9. Mai 2020 bereits zum zehnten Mal in der Messe Essen stattfindet. Auf der Weltleitmesse prĂ€sentieren Unternehmen nachhaltige und kosteneffiziente Lösungen zur Herstellung, Veredelung, Lackierung und Wiederverwertung von Metallverpackungen. Weitere Informationen und das Programm der METPACK im Überblick hier.

Andreas Tietz

Andreas Tietz ist Diplom-Journalist mit Spezialisierung auf technisch-wissenschaftliche Themen. Nach mehreren Jahren in der IT-Branche berichtet er seit 2006 in verschiedenen Fachmedien ĂŒber Neuigkeiten aus der Druck- und Papierindustrie sowie der Verpackungsindustrie.

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